Leverage Ratio: „Es wird ein Hauen und Stechen geben“
30. Dezember 2009 | Von Tobias Dieterich | Kategorie: Top News
„Die wackelige Ratio einer globalen Leverage Ratio“ steht im Blickpunkt der Börsen-Zeitung.
Autor Norbert Hellmann verdeutlicht dabei einleitend die argumentativen Pro und Contra zu diesem regulatorischen Instrument. „Befürworter sehen die Leverage Ratio [...] als ein probates Mittel an, auf eine der Wurzeln des Übels Finanzkrise, nämlich Verschuldungsdrang und aufgeblähte Geschäftsvolumina, schnörkellos und unmittelbar einzuwirken. Am anderen Ende des Meinungsspektrums wird das Einhalten einer Leverage Ratio als gemeingefährliche Zwangsjacke eingestuft [...]“, so die Aussage. Auch im Baseler Ausschuss sei die Quote heftig diskutiert worden – mit dem Ergebnis, dass die ergänzende Verschuldungsquote vorerst „den diskretionär von nationalen Aufsehern auszutarierenden Vorschriften zum Risikomanagement“ und damit der zweiten Säule von Basel II zugeordnet werden soll. Zwar könne an der Ausgestaltung der Quote noch viel gebastelt werden, am Grundkonzept aber wenig gerüttelt werden. Die USA und Kanada haben sich somit mit dem Konzept der Leverage Ratio im Baseler Ausschuss durchgesetzt, erkennt der Autor.
Zu den deutschen Vertretern im Baseler Gremium – die den zeitlich beschränkten „Leverage Ratio-Kompromiss“ nach außen als Erfolg verkauft hatten – konstatiert die Börsen-Zeitung, dass diese sich damit trösten, dass die Anwendung der ergänzenden Verschuldungsquote „noch nicht in Stein gemeißelt“ sei. „Die internationale Gemeinschaft ist überzeugt davon, dass die Leverage Ratio zusätzlichen Nutzen bringt. Es beruhigt mich, dass wir die Leverage Ratio zunächst bei den Baseler Vorschriften zum Risikomanagement testen können, bevor wir sie verbindlich machen“, wird BaFin-Exekutivdirektorin Sabine Lautenschläger zitiert. Der Autor weist folgend auf die Problematik der praktischen Anwendung der Ratio vor dem Hintergrund unterschiedlicher Bilanzierungsmethoden hin. „Vom Ziel, die komplexe Basel-Systematik mit einer simplen Verschuldungsregel sinnvoll zu ergänzen, ist man noch weit entfernt“, so das abschließende Fazit der Börsen-Zeitung.
Das Handelsblatt ruft in diesem Kontext für 2010 die „Stunde der Regulierer“ aus und erkennt: „Für Banken und Versicherungen geht es im neuen Jahr ans Eingemachte.“ Verwiesen wird auch hier auf die Pläne des Baseler Ausschusses zur Verschärfung der Eigenkapitalregeln und die ergänzende Leverage Ratio, gegen die sich die Europäer „noch mit Händen und Füßen wehren“ würden. Es zeige sich somit der erste „Riss“ in der transatlantischen Front der Finanzaufseher. „Es wird ein Hauen und Stechen geben“, wird ein Züricher Banker dazu zitiert.